Erektile Dysfunktion & Diabetes: Ein häufiges Problem mit vielen Lösungen

Diabetes mellitus ist in fast allen Ländern eine der häufigsten chronischen Krankheiten. Sie nimmt in allen Teilen der Welt rapide zu, so dass sie inzwischen epidemische Ausmaße angenommen hat. Im Jahr 2012 hatten mehr als 371 Millionen Menschen Diabetes, und es wird erwartet, dass diese Zahl bis 2030 auf 552 Millionen ansteigen wird.

Diabetes ist ein etablierter Risikofaktor für sexuelle Funktionsstörungen bei Männern, da ein dreifach erhöhtes Risiko für erektile Dysfunktion bei Männern mit Diabetes dokumentiert wurde. 

Diabetiker können mehrere klinische Erkrankungen aufweisen, darunter Bluthochdruck, Übergewicht und Adipositas, das metabolische Syndrom und atherogene Dyslipidämie, die selbst Risikofaktoren für sexuelle Funktionsstörungen sind. 

Die Übernahme einer gesunden Lebensweise kann die Insulinresistenz, die endotheliale Dysfunktion und den oxidativen Stress reduzieren, was alles wünschenswerte Errungenschaften bei Diabetes-Patienten sind. 

Ein verbessertes Wohlbefinden kann weiterhin dazu beitragen, erektile Dysfunktion zu reduzieren und zu verhindern. 

Sex ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens

Sex ist ein wichtiger Teil einer jeden Beziehung. Ein unbefriedigendes Sexualleben kann zu Schuldgefühlen und Ablehnung führen, was wiederum Probleme mit sich bringt. 

Der Grad des sexuellen Begehrens variiert zwischen verschiedenen Menschen und kann sich im Laufe der Zeit ändern.

Es kann sehr schwierig sein, über sexuelle Probleme zu sprechen, insbesondere wenn die Ursache nicht ermittelt wurde. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie man die Ursachen und Symptome sexueller Funktionsstörungen erkennen kann, so dass sie erkannt, diskutiert und behandelt oder bewältigt werden können.

Wie beeinflusst Diabetes das Sexualleben?

Erektile Dysfunktion ist ein häufiges Problem bei zuckerkranken Männern. Keine Erektion zu bekommen oder beibehalten zu können, ist die Hauptursache für sexuelle Beschwerden bei Männern mit Diabetes.

Natürlich haben alle Männer manchmal Probleme mit Erektionen, besonders im Alter. Aber wenn du unter Diabetes leidest, ist die Wahrscheinlichkeit, bereits in jungen Jahren an Impotenz zu erkranken, doppelt so hoch.

Wenn du Probleme mit deiner Erektionsfähigkeit erlebst, könnte dies verschiedene Gründe haben. 

Nerven- und Arterienschäden durch eine schlechte Diabeteskontrolle sind eine wahrscheinliche Ursache, da sie den Blutfluss zu deinem Penis stören. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit einer Herzerkrankung aufgrund dieser Schädigung, die den Blutfluss zum Herzen verlangsamt, höher.

Impotenz kann deine Stimmung senken. Sie kann dein Selbstwertgefühl herabsetzen, dich im Bett depressiv und ängstlich machen und Stress zwischen dir und deinem Partner verursachen.

Sexuelle Funktionsstörungen treten bei Menschen mit Diabetes häufiger auf, weil eine unzureichend behandelte Diabetes die Blutgefäße und das Nervensystem schädigen, was zu einer verminderten Durchblutung und zu Gefühlsstörungen in den Sexualorganen führt.

Sex umfasst mehr als nur die Genitalien. Schmerzen in jedem Teil des Körpers können es erschweren sich zu entspannen und den Geschlechtsverkehr zu genießen. Einige Diabetes-Komplikationen können Schmerzen verursachen. 

Müdigkeit kann den Eindruck erwecken, dass Sex mehr Probleme bereitet, als er wert ist und Diabetes kann auf vielfältige Weise mit Müdigkeit in Verbindung gebracht werden – von der Beeinträchtigung des Schlafs einer Person bis hin zu dem Gefühl, dass sich eine Person ständig von der Anstrengung der Bewältigung ausgelaugt fühlt. 

Sowohl hoher als auch niedriger Blutzucker kann die Stimmung, das Energieniveau und das Interesse an Sex beeinflussen.

Und dann gibt es noch die psychologischen Auswirkungen von Diabetes. 

Während viele Menschen mit Diabetes ein starkes Selbstwertgefühl haben, haben einige das Gefühl, dass Diabetes oder die damit verbundenen Komplikationen sie für andere unattraktiv machen. Diese Menschen fürchten, dass sie niemand als Partner haben will. 

Wenn Menschen sich schlecht fühlen, könnten sie ihr sexuelles Verlangen verlieren oder sich sozial zurückziehen. 

Was ist erektile Dysfunktion?

Die Internationale Gesellschaft für Sexualmedizin definiert erektile Dysfunktion als die Unfähigkeit eines Mannes, eine Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten, die für befriedigenden Sex geeignet ist.

Wenn ein Mann sexuell erregt ist, arbeiten Nerven und Chemikalien zusammen, um das glatte Muskelgewebe zu entspannen und die Arterien zu erweitern, so dass sich der Penis mit Blut füllen kann. 

Die Venen verengen sich, um das Blut im Penis zu halten, wodurch die Erektion entsteht. Sobald der Mann ejakuliert, wird das Blut wieder in den Körper abgegeben.

Erektile Dysfunktion kann aus vielen verschiedenen Gründen auftreten – sowohl physisch als auch psychisch. 

Die häufigsten Ursachen von Impotenz sind eine schlechte Durchblutung des Penis, Nervenschäden, hormonelle Probleme, Nebenwirkungen von Medikamenten, die Peyronie-Krankheit sowie psychische und emotionale Probleme.

Auch ein gesunder Lebensstil kann deine Erektionsfähigkeit fördern. Rauchen, Fettleibigkeit, Drogen- und Alkoholmissbrauch, ungesunde Ernährung und zu wenig Bewegung können zu zur Entwicklung einer erektilen Dysfunktion beitragen.

Häufigkeit von erektiler Dysfunktion bei Diabetikern

Ein hoher Prozentsatz der Männer mit Diabetes wird im Laufe ihres Lebens zumindest einen gewissen Grad an erektiler Dysfunktion bzw. Impotenz erfahren.

Männer mit Diabetes neigen dazu, 10 bis 15 Jahre früher eine erektile Dysfunktion zu entwickeln als Männer ohne Diabetes.

Mit zunehmendem Alter tritt die erektile Dysfunktion noch häufiger auf. Bei Diabetikern im Alter von 50 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit, Schwierigkeiten mit einer Erektion zu haben, bei etwa 50% bis 60%.

Ab einem Alter von 70 Jahren besteht eine 95%ige Wahrscheinlichkeit an Impotenz zu erkranken.

Ursachen von erektiler Dysfunktion bei Diabetikern

Die Ursachen der erektilen Dysfunktion bei Männern mit Diabetes sind komplex und beinhalten Beeinträchtigungen der Nerven-, Blutgefäß- und Muskelfunktion.

Diabetes schädigt die Blutgefäße und Nerven, die die Erektion kontrollieren. Selbst wenn du über eine normale Menge an männlichen Hormonen verfügst und den Wunsch nach Sex verspüren, kann es sein, dass du trotzdem keine feste Erektion erreichst.

Viele Diabetiker entwickeln zudem Neuropathie, Atherosklerose, ein venöses Leck und einen niedrigen Testosteronspiegel. Diese Erkrankungen können bei Männern ebenfalls zu Erektionsschwierigkeiten führen.

Neuropathie

Die Neuropathie ist eine Nervenkrankheit. Unter normalen Umständen, wenn ein Mann sexuell erregt ist, geht eine Nachricht durch sein Nervensystem, um den Beginn einer Erektion zu signalisieren.

Bei einem Mann mit einer Neuropathie im Penis wird diese Übertragung gestört und der Penis reagiert nicht so wie er eigentlich sollte. 

Experten wissen nicht, warum Neuropathie bei Diabetikern auftritt, aber sie trägt wesentlich zur hohen Häufigkeit von erektiler Dysfunktion bei Menschen mit Diabetes bei.

Einige Experten glauben, dass durch hohen Blutzucker gebildete abnorme Proteine die Nervenschäden verursachen. Ebenso könnte Blutzucker die Nachrichtenübertragung stören.

Atherosklerose

Atherosklerose ist eine Verhärtung oder Verdickung der Arterien. Wenn ein Mann eine Erektion hat, füllt sich sein Penis mit Blut. Die Arterien sind ein kritischer Teil dieses Prozesses, da sie sich als Reaktion auf sexuelle Stimulation ausdehnen und Blut einströmen lassen.

Die Venen verengen sich, um das Blut im Penis zu halten, bis der Mann ejakuliert. Dann fließt das Blut zurück in den Körper. 

Die Atherosklerose erschwert es dem Blut, in den Penis zu gelangen. Je nachdem, wie schwer die Erkrankung ist, kann der Blutfluss für eine Erektion nicht ausreichen.

Venöses Leck

Ein venöses Leck tritt auf, wenn die Venen nicht dazu in der Lage sind, genügend Blut im Penis für eine Erektion zu halten. Wie bereits oben erwähnt, kommt es zu einer festen Erektion, wenn Blut in den Penis fließt und die Venen verengen sich normalerweise, um das Blut bis zur Ejakulation des Mannes im Penis zu halten.

Das venöse Leck verhindert, dass Blut im Penis verbleibt. Stattdessen tritt Blut in den Körper zurück, und die Erektion verschwindet. 

Ein venöses Leck wird oft durch Probleme mit glattem Muskelgewebe verursacht, das sich entspannen muss, damit eine gute Erektion entstehen kann. Studien haben gezeigt, dass viele zuckerkranke Männer weniger glatte Muskeln haben und dass sich dieses Gewebe nicht immer richtig entspannt.

Zu wenig Testosteron

Ein Niedriger Testosteronspiegel ist ein weiteres häufiges Problem bei diabetischen Männern. Testosteron ist ein Sexualhormon, das den Sexualtrieb des Mannes beeinflusst. Testosteronmangel kann zu Impotenz führen.

Es hat sich gezeigt, dass Noradrenalin und Acetylcholin-positive Fasern im Schwellkörper bei Menschen mit Diabetes ebenfalls reduziert sind. Dies führt zum Verlust der autonomen, nervenvermittelten Muskelentspannung, die für Erektionen unerlässlich ist.

Der natürliche Verlauf der erektilen Dysfunktion bei Menschen mit Diabetes ist normalerweise schleichend und tritt nicht über Nacht auf. Sowohl vaskuläre als auch neurologische Mechanismen sind bei Menschen mit Diabetes am häufigsten beteiligt.

Wie kann ich die erektile Dysfunktion verhindern oder kontrollieren?

Eines der wichtigsten Dinge, die du tun kannst, ist die Kontrolle der Diabetes. 

Du solltest die verschriebenen Medikamente einnehmen und genau auf deine Ernährung Blutzuckerwerte achten. Bewegung ist ebenfalls wichtig, da sie das Blut im Körper in Bewegung und die Blutgefäße offenhält. 

Dadurch wird auch die Wahrscheinlichkeit einer Atherosklerose verringert.

So kannst du dein Risiko für eine erektile Dysfunktion reduzieren:

Zu Beginn werden präventive Maßnahmen dazu beitragen, das Risiko einer Entwicklung von erektiler Dysfunktion zu verringern. 

Die Verbesserung der Blutzuckerkontrolle und des Bluthochdrucks, die Einstellung des Zigarettenrauchens und die Verringerung des Alkoholkonsums sind nachweislich für Patienten mit Impotenz von Vorteil.

Auch die Vermeidung oder Substitution von Medikamenten, die zur Impotenz beitragen können, ist hilfreich.

Wenn sich die erektile Dysfunktion bereits entwickelt hat, sind orale Wirkstoffe (Potenzmittel) meistens der erste Therapieansatz.

Behandlung von erektiler Dysfunktion bei diabetischen Männern

Aufgrund der vielfältigen Faktoren erfordert die Behandlung der erektilen Dysfunktion bei diabetischen Männern einen globalen Ansatz. Der erste Schritt besteht darin, die veränderbaren Risikofaktoren zu verringern und Änderungen des Lebensstils zu fördern.

Glykämische Kontrolle (Blutzuckerspiegel) und Änderungen des Lebensstils

Obwohl mehrere Studien einen Zusammenhang zwischen einer schlechten Blutzuckerkontrolle und dem Risiko von erektiler Dysfunktion zeigen, ist noch immer nicht klar, ob eine intensive Blutzuckerkontrolle Auswirkungen auf die Erektionsfähigkeit haben kann. 

Allerdings haben viele Querschnittsstudien haben gezeigt, dass eine bessere glykämische Kontrolle mit einer verbesserten erektilen Funktion verbunden ist. 

In einer Studie der EDIC hat eine intensive Therapie die Prävalenz von erektiler Dysfunktion bei Männern, die seit 10 Jahren oder länger an Diabetes leiden deutlich verringert – im Vergleich zu Männern mit einer 1- bis 5-jährigen Vorgeschichte der Krankheit.

Veränderungen des Lebensstils, wie z.B. erhöhte körperliche Aktivität, eine mediterrane Ernährung und eine reduzierte Kalorienzufuhr, wurden mit einer Verbesserung der erektilen Funktion bei Diabetikern in Verbindung gebracht.

Medikamentöse Therapie

Orale PDE5-Hemmer gelten als die effektivste Behandlungsmethode der erektilen Dysfunktion. Diese Medikamente fördern die Erektion durch Hemmung des PDE5-Enzyms, das für den Abbau von zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP) in der glatten Muskulatur der Schwellkörper verantwortlich ist.

Diese Hemmung führt zu einer verlängerten Aktivität von cGMP, was wiederum die Entspannung der glatten Muskulatur aufrechterhält und zu einer harten Erektion führt. 

Diese Medikamente unterscheiden sich teilweise in Intensivität und Dauer ihrer Wirkung, aber sie weisen alle die gleiche Effizienz und Sicherheit auf. 

Sowohl Sildenafil als auch Tadalafil und Vardenafil haben ihr Effizienz bei Diabetes-Patienten bewiesen und das obwohl angenommen wurde, dass Diabetiker mit erektiler Dysfunktion weniger auf PDE5-Hemmer ansprechen.

Die intravenöse Injektion von Papaverin, Phentolamin und Prostaglandin E1 (sowie die Verabreichung von PGE1 sind gute Alternativen für Patienten, die nicht gut auf PDE5-Hemmer reagieren. Beide Behandlungsmethoden verbessern die die erektile Funktion bei Diabetikern nachweislich.

Eine Testosteronersatztherapie wird bei Männern empfohlen, die niedrige Testosteronspiegel aufweisen. Es stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, wie z.B. Gels, Pflaster, Tabletten, Implantate und Injektionen. 

In einer umfangreichen Studie, aus dem Jahr 2012, wurde die transdermale Testosteronersatztherapie mit positiven Auswirkungen auf die sexuelle Funktion bei Männern mit Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht.

Die mechanische Therapie ist ebenfalls wirksam und wird besonders bei Männern mit stabilen Partnern gut akzeptiert. Vakuum-unterstützte Erektionsgeräte, wie z. B Penispumpen sind in 67% aller Fälle wirksam um Erektionen zu erzeugen. 

Eine Penisprothese ist wiederum eine praktische Option für Männer, die keine PDE5-Hemmer verwenden können und ebenfalls keine Injektionen Penispumpen verwenden möchten. Eine nicht anpassbare, halbstarre Prothese lässt sich leicht einsetzen und hat keine postoperativen mechanischen Probleme. 

Abgesehen davon, kann es auch hilfreich sein eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, um alle seelischen Konflikte zu lösen, die zur Entwicklung der Impotenz beitragen können.

Unser Fazit zu Diabetes und erektiler Dysfunktion

Die erektile Dysfunktion ist eine unterbewusste, zu selten diskutierte und häufig unbehandelte Komplikation von Diabetes.

Das Wissen über sexuelle Funktionsstörungen bei zuckerkranken Männern nimmt jedoch rapide zu und mittlerweile gibt es wirksame Mittel wie Medikamente, Vakuumgeräte und aufblasbare Prothesen.

Daher ist es für dich als Diabetiker umso wichtiger, dass du über die Ursachen und Behandlungen der erektilen Dysfunktion aufgeklärt und informiert bist.

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