Können Antidepressiva und Beruhigungsmittel eine erektile Dysfunktion verursachen?

Du warst also bei einem Therapeuten und hast mit einer Depressions- oder Angsttherapie begonnen.

Zudem hast du noch keine Veränderungen deiner psychischen Gesundheit festgestellt, aber dafür das Gefühl, eine erektile Dysfunktion zu entwickeln?

Wie kann das sein?

Leider gibt es eine ganze Reihe von Medikamenten, die erektile Dysfunktion verursachen oder sie verschlimmern können. Ein guter Teil dieser Liste besteht aus Medikamenten für die psychische Gesundheit.

Hier sind die gängigsten Mittel für Angstzustände und Depressionen, die eine erektile Dysfunktion verursachen oder verschlimmern können: 

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs)

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) sind die am häufigsten verschriebenen Antidepressiva auf dem Markt und bekannt dafür, dass sie erektile Dysfunktion verursachen.

Zu dieser Medikamentenklasse gehören beliebte Medikamente wie Sertralin (Zoloft), Fluoxetin (Prozac), Citalopram (Celexa), Escitalopram (Lexapro) und Paroxetin (Paxil).

Obwohl erektile Dysfunktion als Nebenwirkung bei einigen dieser Medikamente häufiger auftritt als bei anderen (Paxil kann bis zu 28% der Männer, die es einnehmen, betreffen, während Celexa nur 6% betrifft), bergen sie alle das Risiko einer Beeinträchtigung deiner sexuellen Leistungsfähigkeit.

Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs)

Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs) wie Venlafaxin (Effexor), Duloxetin (Cymbalta) und Desvenlafaxin (Pristiq) wirken ähnlich wie SSRIs, aber während SSRIs in erster Linie zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden, können einige SNRIs auch zur Behandlung von Nervenschmerzen verwendet werden.

Leider ist es genauso wahrscheinlich wie bei den meisten SSRIs, dass sie eine erektile Dysfunktion verursachen (mit einem Risiko von 3% bis 10%).

Benzodiazepine (Benzos)

Benzodiazepine ist der Fachbegriff für Beruhigungsmittel – also für Medikamente, die das Gehirn beruhigen oder besänftigen.

Zu dieser Medikamentenklasse gehören häufig verschriebene Medikamente wie Alprazolam (Xanax), Lorazepam (Ativan), Clonazepam (Klonopin) und Diazepam (Valium).

Sie sind sehr nützlich bei Angstzuständen (Panikattacken) und Schlaflosigkeit, aber manche Menschen mit schwereren Panikstörungen oder Anfällen nehmen sie täglich ein.

Alle Benzodiazepin-Medikamente haben das Potenzial eine erektile Dysfunktion zu verursachen oder zu verschlimmern (betrifft bis zu 10% der Männer, die sie einnehmen).

Antipsychotika

Antipsychotische Medikamente wie Aripiprazol (Abilify), Olanzapin (Zyprexa) und Quetiapin (Seroquel) werden als "Booster" eingesetzt, wenn SSRIs oder SNRIs allein nicht ausreichen, um eine Depression zu behandeln.

Obwohl sie im Vergleich zu SSRIs, SNRIs oder Benzodiazepinen viel seltener eine erektile Dysfunktion verursachen (nur 2% der Menschen, die ein Antipsychotikum allein einnehmen, leiden unter Impotenz), können sie eine, durch andere psychiatrische Medikamente verursachte, erektile Dysfunktion verschlimmern.

Trizyklische Antidepressiva (TZAs)

Diese Arzneimittelfamilie wird in der Regel nur zusätzlich zu den vier vorhergehenden Arten von Medikamenten eingesetzt.

TZAs werden nach wie vor zur Behandlung von Depressionen verschrieben, aber neuere SSRI- und SNRI-Antidepressiva, die weniger Nebenwirkungen verursachen, werden mittlerweile tendenziell bevorzugt.

Sie sind am hilfreichsten, wenn Sie, neben Angst und Depressionen, auch chronische Schmerzen oder Migräne haben.

Amitriptylin (Elavil), Imipramin (Tofranil), Doxepin (Silenor) und andere TZAs wurden alle mit erektiler Dysfunktion in Verbindung gebracht.

Wie verursachen diese Medikamente eine erektile Dysfunktion?

Obwohl nicht sicher bekannt ist, warum diese Medikamente erektile Dysfunktion verursachen, glauben die Wissenschaftler, dass es daran liegt, dass viele von ihnen den Serotoninspiegel (auch das Glückshormon bekannt) in Ihrem Körper beeinflussen.

Serotonin ist eine von vielen Chemikalien in deinem Körper, die für die Erzeugung und Aufrechterhaltung einer Erektion verantwortlich sind. Ist zu viel oder zu wenig davon vorhanden, treten Symptome einer erektilen Dysfunktion auf.

Was du dagegen unternehmen kannst

Sei dir darüber bewusst, dass dies keine vollständige Liste aller Medikamente ist, die erektile Dysfunktion als Nebenwirkung verursachen können.

Frage eventuell den Apotheker ob etwas, dass du einnimmst, erektile Dysfunktion verursachen kann und informieren deinen Arzt darüber, wenn du nach der Einnahme neuer Medikamente plötzlich Erektionsstörungen haben solltest.

Wenn ein bestimmtes Medikament tatsächlich deine Impotenz verursacht, kann dein Arzt folgende Schritte unternehmen, um dir bei der Lösung des Problems zu helfen:

Abwarten - Möglicherweise treten Symptome einer erektilen Dysfunktion auf, wenn du zum ersten Mal Antidepressiva oder Medikamente gegen Angstzustände einnimmst, aber diese können auch nur vorübergehend sein. Um sicher zu sein, empfiehlt dir dein Arzt vielleicht, dass Sie ein paar Wochen abzuwarten, sodass dein Körper die Chance hat, sich an die neue Medikation anzupassen.

Medikation ändern - Wenn deine derzeitige Medikation nicht gut genug funktioniert, um mit Ihrer Depression oder Angst umzugehen und zudem eine Impotenz verursacht, solltest du deinen Arzt um ein anderes Medikament bitten. Es gibt viele verschiedene Antidepressiva und Anti-Angst-Medikamente, und einige verursachen mit größerer Wahrscheinlichkeit eine erektile Dysfunktion als andere.

Ergänze die Therapie - Wenn deine aktuelle Medikation gut gegen Depression oder Angstzustände wirkt, werden die meisten Ärzte damit zögern, diese zu ändern. Allerdings können Potenzmittel wie Sildenafil, Tadalafil oder Vardenafil eine gute Ergänzung und Hilfe sein.

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